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Sozialer Wandel / Ungleichheit und was dazu gehört



 
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matze





Anmeldungsdatum: 10.02.2007
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 19.03.2007, 13:42    Titel: Sozialer Wandel / Ungleichheit und was dazu gehört Antworten mit Zitat

Technischer Wandel und Industrialisierung:
Der technische Wandel beginnt im Wesentlichen mit dem Beginn der Industrialisierung, die aus Großbritannien mit der Erfindung der Dampfmaschine 1840 in Deutschland begann. Unter Industrialisierung versteht man die prozesshafte Entwicklung der Industrie, die in drei Phasen unterteilt wird:

Die erste Phase ist die Wachstumsphase, welche von 1840 bis 1871 datiert wird. Merkmale: Verbesserte Infrastruktur, Migration, Arbeitsteilung (Dequalifizierung), Aufkommen der „sozialen Frage“, Entstehen von Gewerkschaften,

Die zweite Phase ist der Industrialisierungsprozess, der von 1871, der Reichsgründung, bis 1914, Ausbruch des 1. WK, dauerte.
Merkmale: Einheitliches Münz- und Maßsystem, Verelendung der Arbeiter?soziale Gesetzte, Chemie- und Elektrobranche entwickeln sich (Großindustrialisierung), Fortschreitende Urbanisierung, Produktivitätssteigerung.

Die dritte Phase, dauerte von 1918 bis 1939. Diese Zeit der Weimarer Republik wird als Zwischenkriegszeit bezeichnet. Merkmale: Grundstock für die Massendemokratie, Weltwirtschaftskrise, Rationalisierung, Tailorismus, Akkordlohn, Einführung soziale Sicherung, Sekundärer Sektor wird größer als Primärer.

Der Technische Wandel beschreibt eine Veränderung der technischen Ausgangslage einer Volkswirtschaft. Das Ziel des technischen Wandels ist eine effektive Produktion. - Neben der quantitativen Verbesserung gibt es auch die qualitative Verbesserung von Produkten .- da der technische Wandel teils positiv intendiert wird, kann man auch vom technischen Fortschritt sprechen. Weitergehend führt der technische Wandel zu kulturellen und sozialen Änderungen und zu einem Strukturwandel.
Die Voraussetzungen für eine langfristige Verbesserung der Technik sind eine gute Forschung, Visionen und Mut zur Umsetzung, das nötige Kapital und eine stabile Kaufkraft.

Der technische Wandel besitzt drei Erscheinungsformen. Das sind die Automatisierung, die Rationalisierung und die Nutzung der Synergieeffekte.
Für den Arbeitsprozess hat der technische Wandel, wie für den gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftsprozess, das Individuum und für den Wandel für die Gesellschaft, positive und negative Aspekte zu bieten.

Der Arbeitsprozess wird durch verbesserte Technik effizienter und einfacher. Daraus folgt auch eine Qualitätssteigerung. Für den Unternehmer bedeutet der Ersatz von Arbeitnehmern durch Maschinen weniger Lohnnebenkosten, für den Arbeitnehmer pauschalisiert einen Wandel von der Hand- zur Kopfarbeit. Dieser Wandel ist in der Anschaffung jedoch sehr kapitalaufwändig und bedeutet eine höhere Umweltbelastung und eine hohe Reparaturanfälligkeit der Maschinen.

Für den gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftsprozessbedeutet der techn. Wandel eine Chance zur Bereicherung der Gesellschaft. Auch bringt der Boom die Möglichkeit für infrastrukturelle Investitionen mit sich und neue Sektoren wie die Dienstleistung gewinnen an Bedeutung. Das führt zu einer Diservizierung (Vielschichtigkeit) der Wirtschaft. Aber es kann auch ein Kaufkraftverlust entstehen, sowie eine hohe Grundarbeitslosigkeit. Dadurch wiederum Lohndumping. Im Internationalen Kontext führt dies zu einer Verschärfung der Konkurrenzsituation zwischen Hoch- und Billiglohnländer, mit der Tendenz zur Monopolisierung.

Für das Individuum bietet der Wandel die Chance für ein komfortables Leben und Reichtum, sowie größerer Mobilität und Produktvielfalt. Auch nimmt die körperliche Arbeit ab, was eine tendenziell höhere Qualifizierung der Arbeitnehmer erfordert. Der geringere Lohn, z.B. im Handwerk, führt zu einem geringeren Lebensstandart. Auch kann der Bezug zum Produkt und zur Arbeit verloren gehen.

Durch eine Vorreiterrolle eines Staates bietet sich die Möglichkeit einer guten Position auf dem Weltmarkt (unbegrenzte Möglichkeiten). Aber der Wandel birgt auch Gefahren wie neue Formen und Ausmaße der Arbeitslosigkeit bishin zur Abwanderung der Arbeitnehmer. Auch die Belastung der Sozialsysteme und der Klassengesellschaft sind bedeutende Gefahren.

Prozess der Zivilisation
Zivilisation meint den Fortschritt der Wissenschaft und Technik zu verbesserten Lebensbedingungen und zu einer ausdifferenzierten und komplexen Gesellschaft.

Da nach Elias die Menschen in einer Gesellschaft von einander abhängig sind, ist der Prozess der Z. nicht willkürlich. Äußere Einflüsse werden als innere Wahrnehmung aufgenommen und verinnerlicht. Dieser Entwicklung kann man sich nicht entziehen. –Um erfolgreich in der Gesellschaft zu sein, müssen spontane Ziele den langfristigen weichen, was zu einer Erhöhung der Selbstbeherrschung und des Persönlichkeitsgefühls führt.
Die Oberschicht prägt die Gesellschaft nach Elias, da sie sich vom Bürgertum abgrenzen muss, um es zu beherrschen. Die Wahrung des Standes kann nur durch Ausdifferenzierung der Verhaltensweisen bewahrt werden.

Das Individuum muss sich dem Einfluss der Gesellschaft ausliefern und kann sich diesem nicht entziehen. Damit werden befriedete Räume immer kleiner. Die Freiheit des Einzelnen bestehe dann nur noch aus dem „Management der Zwänge“.

Um den Reichtum zu Vergrößern, schließen sich die Eliten wirtschaftlich in der Vorindustrialisierung zusammen. Schlechte Arbeitsbedingungen unterscheiden die Schichten voneinander. Die zu Anfang entstehenden neuen Arbeitsformen werden von den Arbeitnehmern nur langsam akzeptiert. Die Gewinnmaximierung und die schlechten Arbeitsbedingungen sorgen dafür, dass die Unternehmer die Kontrolle über die Belegschaft behalten.
Arbeitnehmer schließen sich in Gewerkschaften zusammen, um gegen die Oberschicht ankommen zu können. Die Folge sind Sozialleistungen der Arbeitnehmer, um die schlechten Arbeitsbedingungen zu legitimieren.

In der dritten Phase wird der Mensch immer bedeutender. Der Profitabilitätsverlust durch staatliche und betriebliche Schutzmaßnahmen der Arbeitnehmer werden durch die Automatisierung ausgeglichen. Das Individuum wird ersetzbar, was zu einer Trennung der Hand- Kopfarbeit führt. (Taylorismus)

Sozialer Wandel:
Unter Sozialem Wandel versteht man die prozessuale Veränderung der Sozialstruktur einer Gesellschaft in ihren grundlegenden Institutionen, Kulturmustern, ihren zugehörigen sozialen Handlungen und Bewusstseinsinhalten. Monokausale Begründungen für den sozialen Wandel sind nicht brauchbar, da sie der Komplexität der Thematik nicht gerecht werden.

Im historischen Kontext ergeben sich einige Trends für den sozialen Wandel in der BRD. Für den Bereich Bevölkerungsstruktur ist der Geburtenrückgang zu verzeichnen. Auch die steigende Lebenserwartung und die Alterung der Gesellschaft sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Für die Haushalts- sowie für die Familienstruktur sind die
Veränderungen im Hinblick auf die Trennung von Arbeitsplatz und Wohnung und die Differenzierung der privaten Lebensformen bedeutend, da die traditionell, typische Familie so nicht mehr besteht und damit auch der soziale Schutz der Familie kompensiert werden muss.

Das ökonomische System der BRD ist geprägt worden durch die Industrialisierung und die damit verbundene Tertiärisierung, einhergehend mit der Kapitalisierung der Eigentums- und Produktionsverhältnisse.

Die ehemals komfortable soziale Sicherung durch den Staat, der die Lebensrisiken in finanzieller Hinsicht absicherte, wurde reduziert und muss privat abgesichert werden.

Das gesamte staatliche und politische System erfuhr in der Entwicklung eine immer weiter gehende Demokratisierung, also die Legitimierung des Volkes.

Im Bildungssystem ist eine Höherqualifizierung festzustellen. Eine bessere Bildung gilt als Grundlage für eine gute Berufsperspektive und ist damit anstrebsam. Das führt zu einer Wissens- und Bildungsgesellschaft, die versucht der Komplexität der heutigen Zeit gerecht zu werden.

Das kulturelle System zeichnet sich in seiner Entwicklung durch die Rationalisierung und Verwissenschaftlichung vieler Bereiche aus.
Aufgrund der Industrialisierung entstand die Urbanisierung, die in zahlreichen Teilen Deutschlands immer noch anhält.

Der wohl bedeutendste Trend ist die Telekommunikationsbranche, in der die Entwicklung zur Orts- und Zeitunabhängigkeit bei der Informationsbeschaffung geht. Auch der Zugriff auf viele Medien ist möglich geworden. In diesem Zusammenhang steht auch die Entwicklung zur industriellen Dienstleistungsgesellschaft. Dienstleistungen beziehen sich wie zuvor jedoch häufig auf die Güterproduktion.

Für die persönliche Entwicklung eines Menschen spielt die Individualität und die Leistungsorientierung eine immer wichtigere Rolle. Die Leistungsorientierung führt zu einer Leistungs- und Wohlstandsgesellschaft, die sich aus der kapitalistisch- liberalen Marktwirtschaft ergeben.

Zusätzlich besteht die Gesellschaft aus Gruppen. Diese sind nicht mehr, wie in früheren Modellen üblich, in einige wenige klar voneinander abgrenzbare Gruppen zu gliedern. Die Verteilung ist wesentlich komplexer in der Untersuchung geworden und damit vielschichtiger.
Auch gewinnen horizontale Ungleichheiten an Bedeutung, während die vertikalen zwar weiter bestehen, jedoch weniger von Bedeutung sind als die vergleichbareren Ungleichheiten. Es ist eine Aufwärtsmobilität zu erkennen, die es ermöglicht, die gesellschaftliche Gruppe zu verlassen, jedoch sind immer noch Barrieren vorhanden, welche die Veränderung/ Verbesserung erschweren oder gar unmöglich machen. Wie zuvor gibt es das Problem der sozialen Randgruppen, in denen Armut eine wichtige Rolle spielt. Die steigende Arbeitslosigkeit führt zu einer Vergrößerung dieser „Unterschicht“, die Aufgrund der ihr immanenten Tendenz zur Isolation schlecht verkleinert werden kann.

Moderne Gesellschaften haben gemeinsam, dass sie funktional differenziert sind, wie es in dem Bildungssystem der BRD historisch festzustellen ist. Auch sind moderne Gesellschaften Wachstumsgesellschaften und Organisationsgesellschaften, in denen individuelle und dem Ratio- Prinzip bestrebte Bürger leben. Die Politik einer solchen Gesellschaft ist unterteilt. Die Gewaltenteilung soll die Demokratie wahren. Letztlich sind moderne Gesellschaften internationalisiert und nicht mehr klar von einander in übergreifenden Aspekten zu unterscheiden.






Soziale Ungleichheit:

Der Begriff meint die ungleiche Verteilung wertvoller Ressourcen. Es gibt im Wesentlichen vier Dimensionen: Macht, materieller Wohlstand, Bildung, Prestige.

Die Verteilung der Ressourcen durch den Staat erfolgt nach bestimmten Kriterien. Das wichtigste Kriterium ist die Knappheit einer Sache. Damit leitet sich das wichtigste Verteilungskriterium aus den Grundzügen der Marktform ab, der Theorie der sich regelnden Angebot- Nachfrage. Die zu verteilenden Ressourcen werden in die beiden Untergruppen der Klassischen Dimensionen, in welcher die materiellen und finanziellen Aspekte berücksichtigt werden, sowie das Streben nach Macht, Vermögen und Ansehen und die Neuen Dimensionen, in denen die Bildung, die Freizeitbedingungen und die soziale Sicherheit enthalten sind.

Statistisch erfasst werden kann die Soziale Ungleichheit in der Darstellung der Einkommensverteilung durch die Lorenzkurve, welche das Verhältnis von Einkommen und Personenanzahl angibt. Um so weiter die Kurve von der Gleichverteilungslinie (Steigung=1 vom Ursprung aus) liegt, desto ungleichmäßiger sind die Einkommen verteilt.

In finanzieller Sicht ist der Staat, als Sozialstaat verpflichtet, den Bürgern ein definiertes Mindestmaß zuzugestehen. Jedoch gibt es keine konkrete Formulierung und Definition des Begriffes Armut oder des Anspruches auf Gleichheit, der damit eng verknüpft ist. Selbst die Gerechtigkeit, die häufig angeprangert wird, ist nicht, wie etwa in der Weimarer Verfassung in Artikel 151 geregelt. Damals wurde geregelt, dass die Marktwirtschaft den Grundzügen der Gerechtigkeit entsprechen müsse. – Das Grundgesetz sieht einen solchen Artikel nicht vor.

Der Begriff der sozialen Ungleichheit wurde medial verbreitet auf dem Hintergrund der steigenden Lebensqualität in der Wohlstandsgesellschaft, welche definiert ist als Gesellschaft, in der Hunger und Armut keine bedeutende Rolle spielen, also keine Massenphänomene darstellen. Des weiteren sind Wohlstandsgesellschaften hoch industrialisiert und zeigen eine nivellierte Einkommensverteilung, das über dem Existenzminimum liegt.- Als Arm gilt dabei derjenige, der weniger als 60 % unter dem Durchschnitt- Pro- Kopf- Einkommen zur Verfügung hat.

In der BRD wäre laut dieser Annahmen nur ein Bruchteil der Bevölkerung arm, im Internationalen Vergleich wären selbst unsere Armen nicht arm. Somit liegt die Vermutung nahe, dass sich der Anspruch mit steigendem Lebensstandart erhöht und sich nur schwer rückgängig machen lässt. Die derzeitige Definition von steigt zudem mit der Lebensqualität an, denn sie leitet sich aus dem BIP ab, das jedoch nicht als Wohlstandsindikator geeignet ist, da negative Einflussgrößen, eine Erhöhung des BIP bewirken.

Daraus resultieren stellt sich die Frage, ob die Forderung nach gleichem Wohlstand legitim ist. Diese Vorstellung ist zwar fest in den Köpfen verankert, ist gesetzlich jedoch wie beschrieben nicht definiert. Die aktuelle Politik versucht dennoch eine gerechte Verteilung zur Minderung der Sozialen Ungleichheit zu bestreiten, in dem Sie die Ressourcen umverteilt. Dabei folgt sie dem kontinentalen Modell des Sozialstaates, dass die soziale Sicherung über Sozialabgaben finanziert, und damit die Unternehmer schwächt. Dieser Gesichtspunkt ist im Hinblick auf den wachsenden Konkurrenzkampf durch die globalisierten Wirtschaftsstrukturen besonders wichtig. – Und schwächt die wirtschaft der BRD.

Die so genannte „neue soziale Ungleichheit“ beschreibt die wachsende Bedeutung neuer Kriterien zur Messung der Lebenslagen, die wichtiger wurden. Im Rahmen eines größer werdenden Wohlstandes entwickelte sich so zum Beispiel das Bedürfnis nach Gleichberechtigung am Arbeitsplatz für Frauen. Daraus lässt sich schließen, dass um so differenzierter Ungleichheiten betrachtet werden können, der Wohlstand subjektiv umso höher empfunden werden muss.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Marktiwirtschaft nicht gerecht im Sinne von „alle sind gleich“ sein kann. Da die „Bereitsteller der Arbeit“ nicht gleich den Arbeitnehmern sein können. Unbestritten ist die große Bedeutung der Chancengleichheit, die gegeben sein sollte, um die soziale Ungleichheit zu bekämpfen!

Die Vermögensverteilung in der BRD:

In der BRD verfügt ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung über einen großen Teil des Gesamtvermögens. Dabei ist der größte Vermögensanteil im Mittelstand, genauer in den Selbstständigen gelagert. Die Besserverdienenden können größere Teile Ihres Einkommens in Vermögensbildende Anlagen investieren, was langfristig zu einer Vergrößerung des Vermögens führt. Schlechter Verdienende haben hingegen selten die Möglichkeit Kapital zu bilden.

Die soziale Gliederung der BRD (Schichten,- Lage und Milieumodelle)

Die Bürger der BRD können nach unterschiedlichen Kriterien zu Gruppen zusammengefasst werden. Die Entwicklung der Modelle wurde immer komplexer und berücksichtigte immer umfassendere Kriterien zur Erfassung und Einteilung der Bevölkerung. Allgemein versucht man Menschen mit ähnlicher sozioökonomischer Lage zusammenzufassen, deren Lebenserfahrungen ähnlich sind und die deshalb ähnliche Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Damit verbunden sind auch ähnliche Lebenschancen- und Risiken.

Bei der Erfassung und Zuordnung bestimmter Gruppen zu Schichten oder Klassen ergibt sich das Problem nach der Findung von geeigneten Kriterien. Diese werden mit größer werdender Gesellschaftskomplexität immer umfangreicher.

So ist die Entwicklung der Gesellschaftsschichtung nach 1945 stark vorangeschritten. Es entwickelten sich neue Berufsfelder, in denen vermehrt auch Frauen in die Arbeitswelt integriert wurden. Nach der in den 60er Jahren beinahen Vollbeschäftigung, musste die Gesellschaft folglich eine schwere Arbeitsmarktkrise hinnehmen, welche durch den Wandel von Hand- zur Kopfarbeit geprägt wurde. Das führte weitergehend zu einer Reduzierung der Industriearbeiter in der BRD. Als Folge bildete sich ein starker Mittelstand selbstständiger Unternehmer, der seit Mitte der 1990er Jahre jedoch rückläufig ist. Durch die Verkürzung der Arbeitszeit und die Entwicklung zur Wohlstandsgesellschaft in den 60er und 70er Jahren der Hochkonjunktur, resultierte die rückläufige Identifikation mit dem Beruf und das Verlangen nach immer mehr Freizeit.

Da Einkommen, ein wichtiger Indikator bei der Differenzierung der Bevölkerung, stieg kontinuierlich an. Durch das Scheitern des Generationenvertrags muss der Staat höhere Sozialausgaben kompensieren, was zu einem Bedeutungswandel der Rolle des Staates führte. In den 90er Jahren sank das durchschnittliche Einkommen rapide ab und es entstand das Phänomen der Entstehung der „Unterschicht“ als Folge eines instabilen und schwachen Arbeitsmarktes. Die Berufswahl ist heute freier als vor 40 Jahren, orientiert sich jedoch meist am Einkommen und erst sekundär an der Art der Tätigkeit.

Im Hinblick auf die Bildung ist festzustellen, dass die Bildungseinrichtungen leichter zugänglich gemacht wurden, was an Steigenden Anteilen der „schwächeren“ Schichten in Gymnasien und Universitäten bestätigt. Die funktionale Gliederung des Schulsystems und der zu erkennende Wertewandel der Haupt oder Volksschulen zeigt eine weitere Veränderung. Die größere Breitenbildung und die hohe Spezialisierung kommen hinzu.

Zur Erfassung der Bevölkerung und deren Unterteilung gab es seit den 1960er Jahren verschiedene Modelle, die mit der Zeit in ihren Kriterien komplexer wurden und keine klare Trennlinien zwischen den Gruppen aufzeigen.

Das erste angesehene Modell erstellte Bolte in den 1960er Jahren, das als Zwiebelmodell bekannt wurde. Es bildet die Gruppen nach dem Analysekriterium des Berufsprestiges ab. Da es nur ein Kriterium wertet, ist die Aussagekraft eher gering. Jedoch zeigt das Zwiebelmodell schon gleichberechtigte Gruppen auf, also nicht mehr nur horizontal differenzierte Gruppen. Der größte Teil der Bevölkerung ist in der Mittelschicht zu finden, nur etwa 7% sind Oberschicht oder „sozial Verachtete“.

Ebenfalls in den 1960er Jahren entwickelt wurde das Hausmodell von Dahrendorf entwickelt. Es zeigt die Bevölkerung in ein Haus eingeteilt.
Das Modell zeigt eine große Arbeiterschicht und einen großen Mittelstand, die insgesamt etwa 75% der Bevölkerung abbilden. Abgegrenzt werden die Schichten horizontal wie vertikal. Es ist eine Unterschiht von 5% angezeigt, und eine im Vergleich zu Bolte große Oberschicht von 12%. (Bolte: 2%)

Das Hausmodell wurde in den 1980er Jahren von Heiner Geißler weiterentwickelt. Dieser fügte neue Gruppen in das Hausmodell ein und versuchte damit der Komplexität der Gesellschaft gerecht zu werden. Die Gruppen waren auch teilweise schon „weicher“ voneinander getrennt, eine Permeabilität war jedoch nicht zu erkennen. Besondere Bedeutung wurde der Gruppe der Dienstleistungsschicht und den Ausländischen Bewohnern der BRD geschenkt, die Einzug in das Modell hielten.

Das Selbsteinschätzungsmodell von Moore/Kleining zeigte die Zuordnung der Menschen nach Selbsteinschätzung nach ihrer Berufsgruppe in einer indirekten Art. Jedoch teilten sich weite Teile zu positiv ein, so dass die Statistik nicht als realistisch angesehen werden kann. Vorteilhaft sind die komfortablen Handhabungen, es ergeben sich keine großen Unterschiede zu anderen, komplizierten Verfahren. Problematisch ist die Grenzziehung unter den Berufsgraden.

Das Scheuche Modell(1961) zeigt den Mulitiplen Index ur Messung des Prestiges. Die Forscher untergliederten die Prestigegruppen, nicht die Bevölkerung. Statuspunkte wurden nach einem dreifachen Index aufgeteilt. (Beruf, Einkommen, Bildung, werden Wertfaktoren zugeordnet) Der Prestigestatus ergibt sich aus der Summe der zugeteilten Punkte. Die Faktoren sind 1. Der Beruf des Haupternähres, aus der Wahl von 17 Berufsgruppen ist in 30 Punkten vom ungelernten bis zum führenden Selbstständigen. Das Einkommen ergibt bis zu 20 Punkte. Drittens ist die Schulbildung entscheidend. Die maximale Punktzahl ist 20 Punkte. (Die Wertung wurde aus empirischen Untersuchungen entwickelt.)

Schwierigkeiten ergeben sich in der Bewertung der Gewichtung. Soziologische Einschnitte werden nicht berücksichtigt. Zu wenige Kriterien ermöglichen keine differenzierte Unterscheidung.

Insgesamt zeigen Schichtenmodelle in übersichtlicher Form vereinfachte Gesellschaftsstrukturen an. Da nur eine beschränkte Anzahl an Kriterien benutzt wird, werden weite Teile der Realbevölkerung bei der Erfassung ausgeschlossen. Die angezeigten Schichten exisitieren demnach nicht wie gezeigt. Eine so deutliche Abgrenzung der Schichten scheint ebenfalls nicht real genug, durch die Darstellung des Hauses, werden die Schichten zudem verzerrt dargestellt.

In den 1980er Jahren wurden die klassischen Schichtenmodelle von Modellen der sozialen Lagen ersetzt. Der wichtigste Vertreter war Otto G. Schwenk, der das Lagemodell entwarf. Es analysierte die Bevölkerungsstruktur nach vertikalen wie horizontalen Kriterien, es betrachtete also sowohl harte Faktoren wie den Beruf, als auch weiche wie zum Beispiel die Lebenseinstellung. Das führte zu einer besseren Darstellung der reelen Verteilung. Jedoch sind die Angaben nicht leicht zu überprüfen, da eventuell zu viele Kriterien für ein klares Ergebnis genutzt wurden. – auch ist die Messbarkeit und die Gewichtung der Kriterien nicht klar.

Im Jahr 2002 wurde eine neue Darstellung der Gliederung der BRD bekannt, die als Soziale Milieus bezeichnet werden. Die Kriterien sind umfassender, als die der voran gegangenen Modelle und betrachten die Werteorientierungen und die Lebensstile und schaffen das Auslassen von kurzfristigen „Lifestiletypen“. Im Wesentlichen teilen die Milieu Vorstellungen die unterschiedlichen Grupierungen in drei Gruppen: Die Ober- Mittel- und Unterschicht. Sie geben eine komplexe Darstellung der Gruppen realitätsnah an, indem sie unter anderem folgende Kriterien bewerten: Lebensstile, Werteorientierung, ästhetische Präferenzen, Arbeit, Freizeit, Familie, Geld, Konsum, Medien, usw. Die Gruppen der Sinus Milieus, die eigentlich für Marketingzwecke ins Leben gerufen wurden sind: Traditionsverwurzelte, Konservative, DDR- Nostalgiker, Etablierte, Bürgerliche Mitte, Konsummaterialisten, Postmaterielle, Moderne Performer, Hedonisten, Experimentalisten.

Individualität in der Gesellschaft
Unter Individualisierung versteht man ein Leben in einer Gesellschaft, die zahlreiche relevante Lebensbedingungen vorgibt, denen man sich anpassen muss. Die nicht reglementierten Räume kann man jedoch individuell gestalten. Jedoch ist Individualität nicht mir absoluter Freiheit gleichzusetzen! Man unterscheidet in zwei wesentliche Lebensformen: In der traditionellen Lebensform lebt man nach einer Art vorgegebener Biografie. Viele Vorschriften und Gebote und wenig Möglichkeiten prägen das Leben. Individuellere Lebensformen werden durch institutionelle Vorgaben geprägt, wie den Arbeitsmarkt, die Bürokratie und die eigenen Ansprüche, doch gibt es zahlreiche Handlungsanreize und Angebote, die individuell genutzt werden können.

Weitergehend beschreibt die Individualisierung die Freisetzung der Menschen aus traditionellen Lebensformen, der ein paradoxer Zwang durch die Gesellschaft immanent ist. Dies führe zu einer „institutionalisierten Individualisierung“, so genannten Blaupausen, die beschreiben, dass der Plan des Lebens von Generation zu Generation weitergegeben wird. In unserer Gesellschaft verlieren viele Menschen jedoch die Sicherheit des Lebens, was den Wertewandel bestärkt.

Es sind auch Werte vorhanden, die sich nicht ändern. Diese sind im Grundgesetz enthalten, genauer in den Artikel 1-10.

Wertewandel- (zerfall)
In den 60er und 70er Jahren wurden Veränderung in den vorherrschenden Normen und Wertvorstellungen festgestellt. Der Forscher Inglehart führte diese Entwicklung darauf zurück, dass ein solcher Wandel nur durch die mit der Industrialisierung möglichen Modernisierung möglich sei.

In dem Theorem mit dem Namen „the silent revolution“ beschäftigt er sich mit dem von ihm in westlichen Industriestaaten festgestellten kulturellem Wandel, der sich „unabhängig“ vollziehe. Seine Überlegungen stellt er zwei Hypothesen vor: Die Mangelhypothese, welche besagt, dass gerade dass beliebt und gewollt ist, das knapp ist und das soziale Umfeld und die Vergangenheit jeden beeinflusst und die Sozialisationshypothese, die besagt, dass man im wesentlichen zwischen Post- und Materialisten unterscheiden kann.

Ein anderes Theorem von 1989 gibt vier Faktoren für den Wertewandel an: Die ökonomische und technische Entwicklung, die Generationenerfahrung, steigendes Bildungsniveau, Massenkommunikation und Mobilität. Somit sind die Modernisierung, der Individualismus und die Demokratie Vorraussetzungen für einen Wertewandel.

Der Wertewandel vollzieht sich immer schneller und erklärt die Auflösung der klassischen Teilung der Bevölkkerung in Schichten.

Noelle- Neumann sieht keinen Wertewandel sondern einen Werteverfall. Sie gibt der Frankfurter Schule (Neomarxistisch) die Schuld für diese Entwicklung. Untersuchungen des Allenbacher Instituts gäben an, dass die freie Persönlichkeit vor den tradierten Werten stehe, diese jedoch für den Pluralismus enorm wichtig seien.

Klages sieht eine Wertesynthese statt einem Werteverfall. Einen Wertewandel sieht er nur in den 1960er Jahren in den Erziehungswerten. Die Konkurrenzsituation zwischen dem Bildungssystem und der Familie verschärfe die Gefahr eines Wertewandels in breiten Teilen der Gesellschaft.

Die nötige höhere Eigenverantwortung führe zu einem ausgereiften Individualismus, der gesellschaftlich erstrebenswert sei. Die ehemals bedeutenden Werte wie die Familie als Versorgungsinstanz oder existentielle Absicherung im Ernstfall fielen mit sich wandelnder Familienstruktur weg. Daraus folge, dass jeder Einzelne die Worthülsen der abstrakten Werte für sich mit Inhalt füllen müsse.


Das Sozialstaatsprinzip

In Artikel 1 des Grundgesetztes ist unveränderlich verankert, dass die BRD ein demokratischer, sozialer und föderaler Staat ist. Der Begriff sozial ist nicht näher definiert und bedarf aus diesem Grunde einer genauen Identifikation und Interpretation.

Staatsrechtler befassten sich mit dem Definitionsproblem des Begriffes sozial und unterscheiden in zwei wesentliche Kategorien. Zum einen sei sozial der Ausgleich von großen Unterschieden in der Gesellschaft. Zum anderen sei es sozial, die Grundwerte in allen Lebensbereichen des gesellschaftlichen Lebens zu wahren. Als Hauptziel gilt die Wahrung der Menschenwürde, gefolgt von der Gleichbehandlung, dem Schutz der Ehe und einigen weiteren Grundwerten.

Die Soziale Sicherung des Sozialstaates wird über drei „Säulen“ vertreten und realisiert.

Das Versicherungsprinzip macht eine selbstständige Finanzierung der Bürger für ausgewählte und vorgeschriebene Versicherungen obligatorisch. So muss jeder Bundesbürger seine Krankenversicherung, die Rentenversicherung, die Arbeitslosenversicherung und die Pflegeversicherung und wahlweise andere Versicherungsleistungen selber finanzieren, wenn er dazu in der Lage ist.

Das Versorgungsprinzip sichert die Grundversorgung der Bundesbürger auf dem Mindestniveau. Es werden Leistungen für Bedürftige z.B. Hartz IV Empfänger finanziert, oder Kriegsopfer, Opfer mit Impfschäden aber auch Beamtenzuschüsse.

Das Fürsorgeprinzip umfasst die Sozialhilfe, das Wohngeld, den Mietzuschuss, Bafög, Jugendhilfe, Kindergeld, Elterngeld oder auch die Halbwaisenrente.

Durch die hohen Belastungen durch die Veränderungen in der Gesellschaft werden stets Kürzungen in den drei Prinzipien vorgenommen. Das bringt Gefahren wie steigende Armut, keine gute medizinische Betreuung und damit schlechtere Lebensbedingungen mit sich. Je mehr Versicherungen wegfallen, um so mehr Bürger sind von den direkten Gefahren der Armut betroffen.

Selbst das Leistungsprinzip ist kein guter Indikator für die soziale Gerechtigkeit. Gesellschaftlich angesehene Leistung ist nicht möglich für wenig gebildete Schichten, da deren Leistung nicht wahrgenommen wird. So können auch Leistungsträger durch die differenzierte Gesellschaftstruktur arm werden.


Der Gesellschaftsbegriff
Der Begriff der Gesellschaft lässt sich durch drei Dimensionen erläutern.
Intentional beschreibt er die Gesellschaft in ihrem Charakter und gibt die Trenderkennung an sowie eine Prognose. Den Charakter des Gesellschaftsbegriff macht auch die Entwicklung des sozialen Wandels aus. Der Realitätsbezug des Gesellschaftsbegriff wird anhand von empirisch erfassbaren Datenmaterial vorgenommen. Die Deutung ist allerdings immer noch individuell deutbar und bedarf der Zustimmung der Bevölkerung.

Die wichtigsten Gesellschaftstypen sind die Risikogesellschaft und die Spaßgesellschaft. Die Risikogesellschaft leugnet die Gefahr als einzige Möglichkeit sich in der gefährlichen Umwelt zurechtzufinden. Die Vernichtungsgefahr der Welt durch atomare Entwicklungen und ökologische Probleme wirken sich auf das Leben der Bevölkerung aus. Eine Versicherung ist trotz höherer Gefahr nicht möglich.
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